Archive for the ‘Gespr’ Category

Die Körperhaltung sagt, was der Mund verschweigt

Samstag, Februar 24th, 2007

In das Büro des Projektleiters Peter P. tritt Anton A., der Auftraggeber. Ohne, dass ein Wort gewechselt worden wäre, fühlte sich Peter P. angegriffen. Was hatte Anton A. getan?

Gesten verraten die eigentliche Absicht des Gesprächspartners. Sie sind der Ausdruck der inneren Einstellung und Haltung. Die folgenden Gesten verraten, wenn Ihr Gegenüber Macht und Dominanz zeigen will:

  • Der ausgestreckte Zeigefinger: Er sagt: „Ich belehre und ermahne Sie.“
  • Angewinkelte Arme und breitbeinige Stellung: Sie bedeuten: „Ich möchte mehr Raum.“ Der Gesprächspartner will damit den Druck verstärken.
  • Leicht nach vor zeigenden Ellenbogen und in die Seite gestimmten Händen:  Sie signalisieren Kampfbereitschaft und sagen: „Ich erwarte Ihren Angriff und wenn Sie nicht angreifen tue ich es.“
  • Auf die Pelle rücken: Damit ist die Verletzung der persönlichen Distanz-Zone gemeint.  Jeder Mensch hat eine Distanz-Zone. Wird diese Verletzt, so fühlt man sich ungegriffen. Mit dieser Geste soll der Gesprächspartner zum Rückzug gezwungen oder zu einem Gegenangriff provoziert werden.

Acht Minuten: Und schon kennen Sie einen Menschen mehr

Sonntag, Februar 18th, 2007

Das Ereignis des Jahres hat begonnen, die Projektleitertagung. Mehrere hundert Projektleiter kommen zusammen, um sich gegenseitig über ihre Erfahrungen auszutauschen. Es ist die ideale Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen. Die Hotelhalle ist voller Menschen, die Mitglied in Ihrem Netzwerk werden könnten. Die meisten Menschen halten in solchen Situationen Ausschau nach bekannten Gesichtern. Das gibt ihnen Vertrauen in dieser unsicheren Situation. Der Networker verhält sich hier jedoch ganz anders. Er blickt ihm unbekannte Menschen an, geht auf sie zu, macht etwas Small Talk, tauscht seine Visitenkarte aus und sucht den nächsten Kontakt.
Beim Networking entscheiden Sie, mit wem Sie Kontakt aufnehmen wollen. Dabei wissen Sie über den künftigen Kontaktpartner nur zwei Dinge: Er ist erstens auf derselben Veranstaltung, und Sie haben damit ein gewisses gemeinsames Interesse, und zweitens nehmen Sie ihn als Person wahr. Ihre Entscheidung, auf einen bestimmten Menschen zuzugehen, ist mehr durch Ihre Gefühle bestimmt als durch rationale Überlegungen.
Uwe Scheler hat ein Konzept entwickelt, mit dem Sie in nur acht Minuten einen neuen Kontakt knüpfen können.

Dabei verläuft die Kontaktaufnahme in zwei Phasen, die jeweils vier Minuten dauern. In der ersten Phase findet die Begegnung statt. In ihr entscheidet sich, ob der Kontaktpartner überhaupt mit Ihnen in Kontakt kommen will oder nicht. In den darauf folgenden vier Minuten tauschen Sie sich mit dem Kontaktpartner aus, um Gemeinsamkeiten herauszufinden und eine Brücke für eine weitere Kontaktaufnahme zu bauen.
Buchtipp:

Erfolgsfaktor Networking. Mit Beziehungsintelligenz die richtigen Kontakte knüpfen, pflegen und nutzen. München, 2004.

Ich – Du – Wir: Ein Dreieck hält die Balance in der Gruppe

Samstag, Februar 17th, 2007

Herr Müller eröffnet die Besprechung. Die Teilnehmer beginnen, sich über den ersten Tagesordnungspunkt sachlich zu unterhalten. Plötzlich greift Herr Meyer Herrn Schmidt an. Sein Standpunkt sei vollkommen unakzeptabel, sagt Herr Meyer. Die Diskussion konzentriert sich von jetzt an auf Herrn Meyer. Alle versuchen, seinen Standpunkt als ungerecht hinzustellen. Als diese Diskussion kein Ende findet, greift Herr Müller ein. Er stellt die Frage, warum sich alle so engagiert mit Herrn Meyers Beitrag auseinandersetzen. Nach kurzem Schweigen beantwortet Frau Becker die Frage. Der Beitrag von Herr Meyer habe alle angegriffen, meint sie. Alle wären schon fast zu einer Lösung in der Sache gekommen. Herrn Meyers Beitrag hätte wieder alles zurückgedreht. Daraufhin begründet Herr Meyer seinen Angriff. Er befürchtet, dass er die diskutierte Lösung in seiner Abteilung nicht durchsetzen kann.
Das ist, gebe ich zu, ein idealisierter Ausschnitt aus einer Besprechung. So oder ähnlich verlaufen Meetings oder Workshops. Sie beginnen mit einem Sachthema und nehmen oft plötzlich eine unerwartete Wendung. Ein Beziehungsthema rückt in den Vordergrund. Erst dann, wenn dieses besprochen ist, kann die Gruppe wieder zur Besprechung des Sachthemas zurückkehren.
Diskussionen in einer Gruppe sind ein sachlicher, aber vor allem auch sozialer Prozess. Ruth Cohn, eine Psychoanalytikerin aus den USA, hat dafür das Modell der Themenzentrierten Interaktion entwickelt. Sie ist ein nützliches Instrument, das Ihnen hilft, vor allem den sozialen Prozess einer Moderation zu steuern.

Die Themenzentrierte Interaktion ist ein Modell, das die Interaktionen in Gruppen beschreibt. Das Modell geht davon aus, dass jede Gruppeninteraktion aus drei Faktoren besteht: dem Ich (der Persönlichkeit), dem Wir (der Gruppe) und dem Es (dem Thema).

Diese Gruppeninteraktion ist dabei eingebettet in das soziale Umfeld, in dem sich die Gruppe befindet – wie beispielsweise der Zeit, dem Ort und den sozialen und historischen Gegebenheiten.

Wenn die Gruppe sich nicht für das Thema interessiert, ist dies ein Zeichen dafür, dass einzelne Personen oder die Gruppe als Ganzes aus sich aufmerksam machen wollen. Geben Sie diesem Bedürfnis nach, damit die Gruppe wieder fähig wird, sich dem Thema zuzuwenden. Dominiert eine Person mit ihren Bedürfnissen zu stark, müssen Sie dafür sorgen, dass die Interessen die Gruppe und damit die anderen Teilnehmer ihre Interessen in die Diskussion einbringen können. Beschäftigt sich eine Gruppe zu sehr mit sich selbst, so muss das Interesse wieder auf das Thema gelenkt werden.

Buchtipp:

Ruth Cohn hat ihr Modell in dem Buch „Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion“ beschrieben. Kern des Buches sind zwei Postulate und Regeln für die Steuerung einer Gruppe. Ruth Cohn: Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart 2004.

„Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Donnerstag, Februar 15th, 2007

Ihre innere Einstellung und Haltung zum Gesprächspartner und zum Gespräch bestimmen indirekt auch dessen Verlauf. Paul Wazlawick hat dazu eine sehr eindrucksvolle Geschichte erfunden:
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mit den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefalle ausschlagen? Leute wie der Kerl vergiftet einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Morgen“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Die Geschichte stammt aus dem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, sie trägt den Titel: „Der Mann mit dem Hammer“. Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein. München 2004
Unsere innere Einstellung hat sich im Laufe des Lebens entwickelt. Sie ist das Ergebnis vieler Eindrücke und Erfahrungen.
Die innere Einstellung und Haltung drückt sich in Bildern, Gefühlen und Stimmungen aus. Diese bestimmen, wie Dinge der Umwelt wahrgenommen und interpretiert werden.
Rational können wir die Einstellung und Haltung meist gar nicht beschreiben. „Welches Bild habe ich von meinem Gesprächspartner und in welcher Stimmung bin ich gerade?“ Das sind zwei Fragen, mit denen Sie etwas über Ihre innere Einstellung zum Gespräch erfahren können.