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Ich - Du - Wir: Ein Dreieck hält die Balance in der Gruppe

Dieser Eintrag stammt von Tomas Bohinc Am 17.2.2007 @ 11:39 In Gesprächsführung, Projektmanagement, Soft Skills | Keine Kommentare

Herr Müller eröffnet die Besprechung. Die Teilnehmer beginnen, sich über den ersten Tagesordnungspunkt sachlich zu unterhalten. Plötzlich greift Herr Meyer Herrn Schmidt an. Sein Standpunkt sei vollkommen unakzeptabel, sagt Herr Meyer. Die Diskussion konzentriert sich von jetzt an auf Herrn Meyer. Alle versuchen, seinen Standpunkt als ungerecht hinzustellen. Als diese Diskussion kein Ende findet, greift Herr Müller ein. Er stellt die Frage, warum sich alle so engagiert mit Herrn Meyers Beitrag auseinandersetzen. Nach kurzem Schweigen beantwortet Frau Becker die Frage. Der Beitrag von Herr Meyer habe alle angegriffen, meint sie. Alle wären schon fast zu einer Lösung in der Sache gekommen. Herrn Meyers Beitrag hätte wieder alles zurückgedreht. Daraufhin begründet Herr Meyer seinen Angriff. Er befürchtet, dass er die diskutierte Lösung in seiner Abteilung nicht durchsetzen kann.
Das ist, gebe ich zu, ein idealisierter Ausschnitt aus einer Besprechung. So oder ähnlich verlaufen Meetings oder Workshops. Sie beginnen mit einem Sachthema und nehmen oft plötzlich eine unerwartete Wendung. Ein Beziehungsthema rückt in den Vordergrund. Erst dann, wenn dieses besprochen ist, kann die Gruppe wieder zur Besprechung des Sachthemas zurückkehren.
Diskussionen in einer Gruppe sind ein sachlicher, aber vor allem auch sozialer Prozess. Ruth Cohn, eine Psychoanalytikerin aus den USA, hat dafür das Modell der Themenzentrierten Interaktion entwickelt. Sie ist ein nützliches Instrument, das Ihnen hilft, vor allem den sozialen Prozess einer Moderation zu steuern.

Die Themenzentrierte Interaktion ist ein Modell, das die Interaktionen in Gruppen beschreibt. Das Modell geht davon aus, dass jede Gruppeninteraktion aus drei Faktoren besteht: dem Ich (der Persönlichkeit), dem Wir (der Gruppe) und dem Es (dem Thema).

Diese Gruppeninteraktion ist dabei eingebettet in das soziale Umfeld, in dem sich die Gruppe befindet - wie beispielsweise der Zeit, dem Ort und den sozialen und historischen Gegebenheiten.

Wenn die Gruppe sich nicht für das Thema interessiert, ist dies ein Zeichen dafür, dass einzelne Personen oder die Gruppe als Ganzes aus sich aufmerksam machen wollen. Geben Sie diesem Bedürfnis nach, damit die Gruppe wieder fähig wird, sich dem Thema zuzuwenden. Dominiert eine Person mit ihren Bedürfnissen zu stark, müssen Sie dafür sorgen, dass die Interessen die Gruppe und damit die anderen Teilnehmer ihre Interessen in die Diskussion einbringen können. Beschäftigt sich eine Gruppe zu sehr mit sich selbst, so muss das Interesse wieder auf das Thema gelenkt werden.

Buchtipp:

Ruth Cohn hat ihr Modell in dem Buch “Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion” beschrieben. Kern des Buches sind zwei Postulate und Regeln für die Steuerung einer Gruppe. Ruth Cohn: Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart 2004.


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